Bonn, 13.02.2007: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel verlieh heute erstmals den "Förderpreis Naturschutzhöfe", mit dem vorbildliche Leistungen der Landwirtschaft für den Naturschutz ausgezeichnet werden. Initiiert und durchgeführt wurde der Wettbewerb vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL). Das Projekt wurde vom Bundesumweltministerium gefördert. Preisträger 2006 sind der Demeter-Gemischtbetrieb Wüst (Baden-Württemberg), der Grünlandbetrieb Thielecke (Sachsen-Anhalt) und das Bioland-Weingut Ludwig Seiler (Rheinland-Pfalz). Neun weitere Betriebe erhielten eine Auszeichnung.
Bei
der offiziellen Preisverleihung lobte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
die besonderen Verdienste der Preisträger für den Naturschutz: "Wir
wissen alle, dass wir zur Erhaltung unserer biologischen Vielfalt die naturverträglich
wirtschaftenden Landnutzer brauchen. Ohne sie lässt sich das Ziel der
Bundesregierung, den Verlust der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 zu
stoppen, nicht erreichen."
Das Kuratoriumsmitglied der Stiftung Ökologie & Landbau, Prof. Dr. Hubert Weiger, zeigte sich sehr zufrieden mit der großen Beteiligung am Wettbewerb: 233 Betriebe hatten sich im Frühjahr 2006 für den Preis beworben und stellten sich dem Votum einer unabhängigen Jury. In seiner Laudatio betonte Hubert Weiger, dass "das große Engagement und das breite Spektrum an Naturschutzansätzen auf den Höfen sichtbar wurde."
Ziel
des Wettbewerbs sei der Aufbau eines deutschlandweiten Netzes von Naturschutzhöfen,
die auf ganz unterschiedliche Weise Naturschutz in die landwirtschaftliche
Praxis integrierten, beschrieb der Präsident des BfN, Prof. Dr. Hartmut
Vogtmann die Zielsetzung des Wettbewerbs. "Davon erhoffen wir uns eine
noch engere Verzahnung von Ökologie und Landwirtschaft. Die heute prämierten
Modellhöfe werden, so hoffe ich, als Multiplikatoren fungieren und zur
Nachahmung anregen", sagte Vogtmann. In einem zweiten Schritt ist die
Schaffung einer Internet-Plattform zum Informationsaustausch und zur Darstellung
der Beispiele geplant - auch um damit Anregungen zur Weiterentwicklung der
Agrarumweltförderung (Agrarumweltprogramme, Vertragsnaturschutz) zu erhalten.
Den Jurymitgliedern Stephan Börnecke (Frankfurter Rundschau), Adalbert Kienle (Deutscher Bauernverband), Eva Meyerhoff (Bioland) und Dr. Thomas van Elsen (Forschungsinstitut für Biologischen Landbau) wurde die Entscheidung nicht leicht gemacht. Grundlage ihrer Bewertung waren Leistungen in den Schwerpunkten naturschonende Bewirtschaftung, aktive Maßnahmen zur Landschaftsgestaltung sowie biologische Vielfalt auf der Betriebsfläche. Auch neue Ansätze in der Kommunikation zwischen Naturschutz und Landwirtschaft sowie beispielgebende Kooperationen wurden in die Beurteilung einbezogen.
Weitere Projektpartner des "Förderpreises Naturschutzhöfe" sind der Naturschutzbund (NABU) / Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) / Bund Naturschutz Bayern (BN) sowie die Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur).
Der Förderpreis ist mit je 5.000 Euro dotiert, die Auszeichnungen mit je 1.000 Euro.
Der Betrieb Uwe Wüst überzeugte die Jury mit innovativen Ideen, um eine hohe Arten- und Strukturvielfalt auf seinem rund 140 Hektar großen Gemischbetrieb zu erreichen. Die Vielfalt beginnt mit dem Anbau zahlreicher Kulturarten und -sorten. Gemenge- und Mischanbau, Wicken-Untersaat, extrem flache, nicht wendende Bodenbearbeitung und blütenreicher Feldfutterbau gehören zu den ackerbaulichen Grundlagen des Betriebes. Breite Ackerrandbereiche oder Inseln werden bei der Ernte als Winterstrukturen stehen gelassen, der Heudrusch einer vielfältigen Wiese wird zur Ansaat von Säumen genutzt und die Kornrade als selten gewordener Kulturfolger wird mit ausgesät. In der Tierhaltung erprobt der Betrieb alte Kulturtechniken wie die Schnaitelwirtschaft (Laubheugewinnung zur Viehfütterung) und praktiziert ganzjährige Außenhaltung. So werden durch Nutzung neue Strukturen geschaffen.
Der Grünlandbetrieb "Brockenbauer" von Familie Thielecke erhält den Förderpreis Naturschutzhöfe 2006 für seine vorbildliche Bewirtschaftung, Erhaltung und Pflege von artenreichem Grünland in der Mittelgebirgslandschaft Harz. Seit 2001 bewirtschaftet der Betrieb rund 450 Hektar Grünland. Mit Tatkraft, Ideen und Mut wurde in kurzer Zeit eine stattliche Herde (198 Tiere) der gefährdeten Rinderrasse "Rotes Höhenvieh - Harzer Schlag" aufgebaut, die typische Harzer Bergwiesen beweidet und pflegt. In Abstimmung mit dem Landschaftspflegeverband und durch das flexible, aber arbeitsintensive Herdenmanagement (kleine Tierzahl, geringe Besatzdichte, kurze Verweildauer) gelingt es, den außerordentlichen Artenreichtum der Wiesen und Weiden zu erhalten und zu fördern. Mit dem erfolgreichen Aufbau einer regionalen Direktvermarktung richtet sich Familie Thieleke gezielt an Privatkunden, Touristen und Hotels und vermittelt somit den Bezug von Erzeugung, Qualität und wertvoller Landschaft.
Ludwig Seiler realisiert auf seinem Weingut eine umfassende Umsetzung von Naturschutz im Weinbau. Sein Bewirtschaftungssystem hat das Ziel, nicht nur die Rebe optimal mit Nährstoffen und Wasser zu versorgen, sondern gleichzeitig die Artenvielfalt zu fördern. Ludwig Seiler arbeitet mit eigens zusammen gestellten Begrünungsmischungen für die Rebgassen und mit Selbstbegrünung. Die Bodenbearbeitung richtet sich unter anderem danach, ob wertvolle Arten der Weinbergsflora schon Samen gebildet haben. So bergen seine Weinberge ein großes Samenreservoir und eine hohe Artenzahl der gefährdeten Weinbergsflora. Zudem hat Ludwig Seiler viele Möglichkeiten entwickelt, Öko-Nischen im Weinberg und rund um den Hof einzurichten: Wildbienen-Nisthölzer, ungemulchte Rebrandstreifen, Turmfalken-Nistkästen (beobachtet über eine Nistkasten-Kamera), Trockenmauern und vieles mehr. In Führungen macht er seine Kunden und Gäste darauf aufmerksam.
Auszeichnungen erhielten:
- Hof Luna
Wilhelm Bertram; 31085 Everode; Niedersachsen, Bio-Betrieb, Demeter- Agrar GmbH Crawinkel
Heinz und Ingrid Bley; 99330 Crawinkel, Thüringen, Bio-Betrieb- Hof Eggers in der Ohe
Georg und Christine Eggers, 21037 Hamburg, Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau- Landschaftspflege mit Biss
Frank Lamprecht und Stefan Gaus, 78727 Oberndorf-Beffendorf, Baden-Württemberg- Bioland-Hof Familie Mammel
Woldemar Mammel, 89584 Lauterach, Baden-Württemberg, Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau, Bioland- Müller-Hof
Helmut Müller, 78476 Allensbach/Kaltbrunn, Baden-Württemberg, Bio-Betrieb, Demeter- Bannmühle
Hans Pfeffer, 55571 Odernheim, Rheinland-Pfalz, Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau, Bioland- Arche-Rhönschafhof Pößel
Udo und Elisabeth Pößel, 99713 Schernberg, Thüringen, Arche-Hof- Vorwerk Podemus
Familie Probst, 01156 Dresden, Sachsen, Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau, Gäa
Weitere Informationen zum Förderpreis Naturschutzhöfe sowie auch die detaillierte Beschreibung der neun weiteren ausgezeichneten Betriebe erhalten Sie auf der Internetseite www.naturschutzhoefe.de. Ab 17:00 Uhr können Fotos der Preisverleihung unter www.bfn.de und www.naturschutzhoefe.de/pressinformationen/fotos.html abgerufen werden.