Gut-Schmerwitz

Preisträger des Förderpreises Naturschutzhöfe 2008

Angaben zum Betrieb

Gut Schmerwitz
Familie van Schoonhoven

Schmerwitz Nr. 8
14827 Wiesenburg/Mark, Brandenburg
Tel: 033849-9080
Fax: 033849-90829
www.gut-schmerwitz.de
  • 1.550 Hektar
  • 1.382 ha Acker, 44 ha Grünland, 13 ha Streuobst, 11 ha Feldgemüse, 100 ha Wald
  • 100 Sauen, 800 Mastschweine, 600 Mutterschafe mit Nachzucht, 10.000 Legehennen
  • 28 AK: 18 Festangestellte, 7 Saisonkräfte, 3 Auszubildende
  • Schwerpunkt: Fleischerzeugung (Schwein, Lamm), Eier, Getreide, Gemüse, Hofladen
  • Besonderheiten: eigenes Biotopverbundsystem für die Betriebsflächen, Kooperation mit Suchthilfeverein (Gemüseanbau), Kooperation mit Suchthilfeverein, Erzeuger für die Regionalmarke "von hier", Mitwirkung im regionalen Tourismusverband, Partnerbetrieb der FH Eberswalde, Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau

Betriebsportrait

Auf Gut Schmerwitz im Südwesten Brandenburgs werden neben Lebensmitteln und Arbeitsplätzen auch Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen. Im Zuge der Umstellung auf ökologischen Landbau in den 90er Jahren wurde auf dem 1.550 Hektar großen Gut ein Biotopverbundsystem entwickelt. Durch die vielfältige landwirtschaftliche Erzeugung, den Ausbau von betriebseigener Weiterverarbeitung und Direktvermarktung und durch die Beteiligung an einer Regionalmarke leistet Gut Schmerwitz einen großen Beitrag für den ländlichen Raum. Die Familie van Schoonhoven und Rita Neumann, die Betriebsleiterin, messen der Außendarstellung große Bedeutung zu. In der Bevölkerung und bei den Kunden soll Gut Schmerwitz "ein persönliches Gesicht" haben.

Gehölzinseln strukturieren die Flur, Foto: Thomas van Elsen
Gehölzinseln strukturieren die Flur, Foto: Thomas van Elsen
 
Allee mit alten Bäumen, Foto: Gut Schmerwitz
Allee mit alten Bäumen, Foto: Gut Schmerwitz
 

Vielfältige Landnutzung für eine breite Produktpalette

Betriebsschwerpunkte auf Gut Schmerwitz bilden neben einem vielfältigen Acker- und Feldgemüsebau die Schäferei, die Geflügelhaltung, die Schweinezucht und -mast sowie die eng darauf abgestimmte Direktvermarktung. Auf den Äckern des Bioland-Betriebes werden in einer vielgliedrigen Fruchtfolge Roggen, Gerste, Weizen, Dinkel, Triticale, Hafer, Lupine, Erbsen und Luzernekleegras angebaut. Zudem wird mit blütenreichen Zwischenfrüchten und Untersaaten gearbeitet. Als Beitrag zur Erhaltung alter Nutztierrassen gibt es in der Schweinehaltung auch eine kleine Gruppe der bedrohten Angler Sattelschweine.
Die vielen Standbeine des Betriebs können nur mit einem großen Team an Mitarbeitern funktionieren. Auf Gut Schmerwitz sind knapp 30 Arbeitskräfte beschäftigt. Das Gut ist damit ein wichtiger Arbeitgeber in der ländlichen Region.

Gut und Landschaft mit bewegter Geschichte

Eigentümer Waltraud und Gerrit van Schoonhoven, Foto: Gut Schmerwitz
Eigentümer Waltraud und Gerrit van Schoonhoven, Foto: Gut Schmerwitz
 
Betriebsleiterin Rita Neumann, Foto: Gut Schmerwitz
Betriebsleiterin Rita Neumann, Foto: Gut Schmerwitz
 

Gut Schmerwitz war bereits im 18. Jahrhundert ein großräumiges herrschaftliches Wirtschaftsgut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Ländereien des Gutes enteignet und bis zur Wende 1990 als volkseigenes Gut bewirtschaftet. Im Jahr 1991 erwarb eine Suchthilfegemeinschaft das Gut als landwirtschaftlichen Zweckbetrieb, stellte auf ökologische Wirtschaftsweise um und begann, den Biotopverbund anzulegen. Bei einem erneuten Besitzerwechsel im Jahr 2000 ging das Gut an die Familie van Schoonhoven über, die nun Schritt für Schritt ihre Vision eines modernen ökologisch wirtschaftenden Betriebes verwirklichen und gleichzeitig die ländliche Entwicklung der gesamten Region fördern möchte.

Landwirtschaft, Landschaft und Natur im Verbund

Die Flächen von Gut Schmerwitz liegen in der sanft-gewellten Endmoränenlandschaft des Hohen Flämings. Lichte Kiefern- und Mischwälder unterbrechen die mageren Ackerflächen aus anlehmigem Sand. Durch die Anlage des Biotopverbundsystems, mit der 1990 begonnen wurde, unterscheiden sich die strukturreichen Gutsflächen deutlich von den Nachbarflächen, die durch intensiven Ackerbau auf sehr großen Schlägen gekennzeichnet sind. Die ausgeräumte Landschaft ist eine Folge der rationellen Großflächenbewirtschaftung zu DDR-Zeiten. Für den Biotopverbund wurden Feldwege mit Säumen und Böschungen wiederhergestellt und neu geschaffen sowie 26 Kilometer Hecken mit heimischen Gehölzen angelegt. Pflanzungen von Obst- und Laubbaumreihen, Feldholzinseln und Streuobstwiesen mit alten Sorten waren weitere Maßnahmen. Wichtig war den Planern dabei die Orientierung an den Formen der Landschaft und am historischen Landschaftsbild, um insgesamt zu einer ästhetischen Gestaltung zu gelangen.

Schafherde, Foto: Gut Schmerwitz
Schafherde, Foto: Gut Schmerwitz
 
Luftbild, Teilflächen mit Streuobstwiesen, Foto: Gut Schmerwitz
Luftbild, Teilflächen mit Streuobstwiesen, Foto: Gut Schmerwitz
 

Alle Anpflanzungen sind gut gediehen und zeigten bald ihre positiven Wirkungen. Rita Neumann freut sich: "Wir haben dadurch endlich unsere Wasser- und Winderosionsprobleme in den Griff bekommen. Bevor die Hecken da waren, mussten wir immer wieder bis zu einem Meter tiefe Gräben in den Äckern zuschütten, die durch starke Niederschläge entstanden waren." So profitiert nicht nur die Natur und die Artenvielfalt von den neuen Strukturen, sondern auch die landwirtschaftliche Produktion. Selbst wenn die Traktoristen sich manchmal über die Umwege um die Feldholzinseln beschweren, gibt Rita Neumann mit einem Augenzwinkern zu. Durch die Hecken und Streuobstwiesen konnte zudem die Produktpalette im Hofladen um Fruchtsäfte und Gelees erweitert werden.

In der Region verankert und immer offen für Neues

Die Nähe zu Berlin ist für den Absatz der Produkte von großem Vorteil und auch der Hofladen läuft gut. Dort finden sich Fleisch- und Wurstprodukte, Eier, Getreide, Mehl, Nudeln, Säfte, Obst und Gemüse aus eigener Erzeugung und Herstellung. Die Gemüseauswahl vom Feld wird ergänzt durch Feingemüse aus der Gärtnerei des benachbarten Suchthilfevereins in Schmerwitz.
Für die brandenburgische Regionalmarke "von hier" zeigt sich Gut Schmerwitz als innovativer Partner. Um den regionalen Charakter der Marke zu stärken, wurde auf Schmerwitz eine Nudelmanufaktur eingerichtet. Weitere Kooperation besteht beispielsweise mit dem Naturpark Höher Fläming, Gut Schmerwitz bietet oft den Rahmen für kulturelle Veranstaltungen und Aktivitäten des sanften Tourismus.

Plakate von Gut Schmerwitz, Foto: Gut Schmerwitz
Plakate von Gut Schmerwitz, Foto: Gut Schmerwitz
 
Planwagenfahrten am Hoffest, Foto: Gut Schmerwitz
Planwagenfahrten am Hoffest, Foto: Gut Schmerwitz
 

Präsent und wieder erkennbar sein

Die Präsenz in der Region und die Vermarktung so vieler Produkte erfordern eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, mit der das Gut Profil zeigt und seine Leistungen hervorhebt. Die Darstellung der Natur schonenden Wirtschaftsweise und der Leistungen für den Natur- und Landschaftsschutz stehen dabei im Mittelpunkt. Das Biotopverbundsystem wird in allen Betriebsportraits und Flyern thematisiert. Auf der Internetseite, bei Führungen, Vorträgen, Messen und nicht zuletzt beim alljährlich stattfindenden Hoffest im Rahmen der Brandenburger Landpartie wird das Landschaftserlebnis vermittelt. Mit einfachen Mitteln, einem eigenen Logo und klarer Gestaltung sorgt Gut Schmerwitz dafür, dass der Betrieb und seine Produkte leicht wieder erkennbar sind und mit Engagement für die Region und die Natur verbunden werden.

 
 
 
Gehölzinseln strukturieren die Flur, Foto: Thomas van Elsen
 
 
Allee mit alten Bäumen, Foto: Gut Schmerwitz
 
 
Eigentümer Waltraud und Gerrit van Schoonhoven, Foto: Gut Schmerwitz
 
 
Betriebsleiterin Rita Neumann, Foto: Gut Schmerwitz
 
 
Schafherde, Foto: Gut Schmerwitz
 
 
Luftbild, Teilflächen mit Streuobstwiesen, Foto: Gut Schmerwitz
 
 
Plakate von Gut Schmerwitz, Foto: Gut Schmerwitz
 
 
Planwagenfahrten am Hoffest, Foto: Gut Schmerwitz