| Demeter-Betrieb Uwe Wüst Esselbrunner Str. 4 97953 Königheim/Brehmen |
Tel: 09340-929417 Fax: 09340-899 |
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Die Landschaft ist bunt
Die Gemarkung von Königheim/Brehmen ist im Vorbeifahren betrachtet eine
offene, geschwungene Landschaft, von Ackerbau geprägt. Lässt man
das Auge jedoch ruhen und tritt man näher an die Felder heran, bemerkt
man feine Farbunterschiede und Strukturen: Hier wird sanftgrüner Einkorn
und blauer Lein angebaut und bunte Wicken blühen zwischen dem Getreide.
Die Feldraine sind nicht nur kurz und grün gemulcht, sondern es blühen
dort ausgesäte blaue Kornblumen und rosa Malven. Das ist das Werk von
Uwe Wüst, seiner Familie, Freunden und Partnern.


Bauländer und Indianer
Vor sechs Jahren ist Uwe Wüst wieder auf den elterlichen Betrieb zurückgekommen.
Der gelernte Landwirt hat sich einige Zeit die Welt angesehen, hier und da
in der Landwirtschaft gearbeitet und verschiedene Volkskulturen kennengelernt.
Uwe Wüst vereint in seiner Person eine Mischung aus Heimatverbundenheit,
großes landwirtschaftliches Wissen, Lebensfreude und einen Hauch von
Indianertum. Er hat zunächst 20 Hektar Pachtfläche eines Landwirts
seiner Heimatgemeinde übernommen, dann den elterlichen Betrieb und heute
bewirtschaftet er 148 Hektar in biologisch-dynamischer Anbauweise.
Uwe Wüst verwirklicht auf seinem Gemischtbetrieb mit zahlreichen innovativen
Ansätzen eine eindrückliche Arten- und Strukturvielfalt. Die Förderung
von Vielfalt auf seinen Nutzflächen ist integraler Bestandteil des Bewirtschaftungssystems.
Ein Sähmann mit Neugier am Pflanzenbau und Freude am Blütenmeer
Die Vielfalt beginnt mit dem Anbau zahlreicher Kulturarten und -sorten. Mit
den Arten Dinkel, Einkorn, Erbeweizen, Leindotter, Linsen, Schwarzgerste und
Speiselein ist seine Liste der Kulturen noch nicht vollständig aufgezählt.
Die Qualität und Verträglichkeit von alten Sorten sind dem Betriebsleiter
wichtig. Gemenge- und Mischanbau, extrem flache, nicht wendende Bodenbearbeitung
und blütenreicher Feldfutterbau gehören zu den ackerbaulichen Grundlagen
des Betriebes.


Das Feldfutter wird hauptsächlich rotierend von der Rinderherde abgeweidet. Breite Ackerrandbereiche oder Inseln werden als Winterstrukturen bis in den nächsten Sommer stehen gelassen. Auf dem Betrieb gibt es Dauerrandstreifen sowie eingesäte Blühstreifen, unter anderem mit Buchweizen und Sonnenblumen. Die stehenden Körbe der Sonnenblumen können als Insektennistplätze dienen. Der Heudrusch einer artenreichen Wiese wurde zur Ansaat von Säumen genutzt. Die Kornrade als selten gewordener Kulturfolger wird mit dem Getreide ausgesät und es werden Lichtstreifen im Acker belassen. All diese Maßnahmen führen zu einer blühenden, strukturreichen Ackerbaulandschaft.
Moderne, naturschonende Technik, die begeistert - alte Kulturtechniken
ebenso
Bei dem Einsatz von Maschinen setzt der Betrieb auf besonders naturschonende
Techniken, wie z. B. <eines modernen Doppelmesser-Mähwerks, eines
Stoppelhobels, einer Ringschneide und eines besonderen Striegels. Durch eine
möglichst reduzierte Eingriffshäufigkeit schafft der Betrieb störungsarme
Lebensräume auf seiner Nutzfläche, mit dem Nebeneffekt einer geringeren
Arbeitsbelastung. Von den reduzierten Arbeitsgängen profitiert z. B.
die Feldlerche, die dann ungestört brüten kann.


In der Tierhaltung werden alte Techniken wiederentdeckt, getestet und sinnvoll
in den Betrieb integriert. So erprobt Uwe Wüst beispielsweise die Schnaitelwirtschaft
(Laubheugewinnung zur Viehfütterung) und praktiziert ganzjährige
Außenhaltung. Er schafft damit durch diese Art der Nutzung neue Strukturen
in der Landschaft. Die parzellierten Weiden der Freilandschweine sind zum
Beispiel selten gewordene Strukturen für ein Dorfumfeld von heute. Durch
den regelmäßigen Wechsel der Parzellen begrünen sie sich auch
bei ganzjähriger Beweidung immer wieder selber. Solche Lebensräume
haben nicht nur Bedeutung für Insekten und Vögel, sondern ziehen
gleichzeitig auch den Menschen an: Es macht einfach Spaß, Schweine und
Ferkel so zu beobachten.
Wirtschaften mit den vielfältigen Möglichkeiten der Natur fasziniert
den Betriebsleiter Uwe Wüst und seinen Partner Dirk Appel, der insbesondere
für die Arbeit mit den biologisch-dynamischen Präparaten zuständig
ist. Den Umgang mit Boden, Pflanzen und Tieren verstehen beide als Dialog.
"Nachhaltige Landwirtschaft steht nicht im Gegensatz zu Naturschutz,
sondern ergänzt ihn. In der aktuellen Situation ist jedoch sehr viel
Aufbauarbeit zu leisten, die zunächst vielleicht unwirtschaftlich erscheinen
mag, sich aber langfristig als nützlich und notwendig erweisen wird",
so Uwe Wüst.
"Zeit haben ist uns wichtig, Zeit haben, sich am Leben zu freuen"
Familie Wüst und ihre Partner geben ihr Wissen und Ideen gerne weiter,
z. B. in Form von Feldbegehungen. Was sie von ihren Gästen erwarten ist,
dass sie sich Zeit nehmen und nicht immer von einem Termin zum anderen hetzen.
Außerdem werden Projekte mit Schulklassen durchgeführt, und die
Zusammenarbeit mit den Lehrern befindet sich im Ausbau. Kontaktpflege zu Kunden
wird ebenfalls großgeschrieben. Sie läuft über die Direktvermarktung,
die Teilnahme an Hoffesten anderer Betriebe oder an Weihnachtsmärkten
sowie über Erzeugertreffen von Großkunden und Naturkostläden
der Region. Um die Verbindung zwischen den Menschen des Ortes und dem Hof
zu pflegen, gehören zum Beispiel die Gestaltung von Erntedankaltaren
mit ungewöhnlichen Kulturpflanzen oder die Bereitstellung einer Betriebsfläche
für eine Ski-Liftanlage.


Für dieses "Feuerwerk" an innovativen Ideen im Ackerbau und
in der Tierhaltung und für die Begeisterung, die der Betriebsleiter und
seine Partner ausstrahlen und es verstehen, diese auf die verschiedenen Besuchergruppen
zu übertragen, erhält der Betrieb den Förderpreis Naturschutzhöfe
2006.