| Bioland-Weingut Seiler Ludwig Seiler Modenbachstr. 3 76835 Weyher, Rheinland-Pfalz |
Tel: 06323-4219 Fax: 06323-981073 www.weingut-seiler.de |
|
Kindheit zwischen Wald und Reben
Das Weingut Seiler liegt in traumhafter Lage an der Pfälzer Weinstraße.
Wenige Schritte entfernt beginnt der Pfälzerwald, das größte
zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands, und in den Vorhügeln zwischen
Wald und Rheinebene gedeihen die Reben.


1990 hat Ludwig Seiler den elterlichen Betrieb (ca. acht Hektar) übernommen
und auf ökologischen Weinbau umgestellt. Seit seiner Kindheit begeistert
er sich für die Natur - seine Kenntnisse über Wildinsekten, Vögel
und Pflanzen sind überragend.
Schonende Bodenbearbeitung und intensive Laubarbeit
Ludwig Seiler entwickelt die ökologische Anbauweise auf seinem Betrieb
weiter. Als Grundprinzipien verfolgt er eine extensive Bodenbearbeitung und
eine intensive Laubarbeit. Sein Bewirtschaftungssystem hat das Ziel, die Rebe
optimal mit Nährstoffen und Wasser zu versorgen und gleichzeitig die
Artenvielfalt zu fördern. Über die Einsaat einer vielfältigen
Kräutermischung erreicht er, dass die Weinbergsböden nachhaltig
mit Humus versorgt werden.


Die Förderung der tief grabenden Regenwürmer ist dem Winzer ein großes Anliegen. Durch die Einsaat einer artenreichen Winterbegrünung steht im Herbst und Frühjahr ausreichend welkes Pflanzenmaterial zur Ernährung der Regenwürmer bereit.
Nach dem Herbst wird jede zweite Gasse mit einer selbst zusammengestellten
Mischung eingesät. Die verbleibende Gasse wird je nach Witterung im Frühjahr
umgebrochen. Der Umbruchszeitpunkt richtet sich nach den Wasserverhältnissen
im Boden und auch danach, ob wertvolle Arten der Weinbergsflora schon Samen
gebildet haben. So bergen die Weinberge ein großes Samenreservoir und
eine hohe Artenzahl der gefährdeten Weinbergsflora: Wiesen-Gelbstern,
Runder Lauch, Dolden-Milchstern, Schopfige Traubenhyazinthe, Ranken-Platterbse,
Kornrade, Wendich und viele mehr sind zwischen den Rebzeilen anzutreffen.
In den Weinbergen von Ludwig Seiler wird möglichst selten gemulcht, da
zu häufiges Mulchen die Gräser fördert und die empfindlichen
Kräuter zurückdrängt. Bei Bedarf wird dann alternierend gemulcht,
das heißt nur jede zweite Rebzeile.
Bei Wasserknappheit wird eine flache Bodenlockerung mit der Kreiselegge vorgezogen. Nach den nächsten Regenfällen begrünt sich der Boden dann sehr schnell wieder. Diese Wirtschaftsweise fördert besonders die einjährigen Herbst- und Sommerarten und die Zwiebelgewächse. In Jahren mit ausreichenden Frühjahrsniederschlägen dient der natürliche Aufwuchs als Begrünung.


Der Unterstockbereich wird mechanisch mit der Scheibe offen gehalten. Wenn es die Witterung erlaubt, wird der erste Arbeitsgang erst im Mai/Juni durchgeführt. Dann haben die meisten einjährigen Arten der Weinbergsflora schon Samen gebildet. Einige konkurrenzschwache Stauden werden durch das Ausheben der Scheibe an den betreffenden Standorten geschont. Dadurch halten sich auch mehrjährige Arten in seinem Weinberg.
Inzwischen wachsen rund 300 verschiedene Gräser- und Kräuterarten zwischen den Reben. Diese bunte Vielfalt wirkt sich auch positiv auf die Weinbergsfauna aus. Unzählige nützliche Insektenarten leben in den Weinbergen und stabilisieren das Ökosystem. Als Raritäten entdeckte Ludwig Seiler zum Beispiel den Hellbindigen Holz-Buntkäfer, den Schafgarben Schmalbock oder sogar ein Eikokon einer Gottesanbeterin an einem Rebstock.


Öko-Nischen im Weinberg sind einfach einzurichten
Zudem hat Ludwig Seiler viele einfache Möglichkeiten entwickelt, Öko-Nischen
im Weinberg und rund um den Hof einzurichten: Die Trockenmauern wurden in
den laufenden Jahren mehrfach verlängert und aufgestockt. Das Entwicklungsziel
ist hier die Förderung der Mauereidechse. Die Mauereidechse stellt eine
Schlüsselart für alle wärmeliebenden Trockenmauerbewohner dar.
Bei der Anlage einer Wildstrauchhecke wurden 32 verschiedene Arten einheimischer
Wildsträucher ausgewählt, so dass möglichst immer ein Blütenangebot
für Insekten vorhanden ist. Da auch die Beeren der Wildsträucher
zu unterschiedlichen Zeiten reifen, gibt es im Herbst ein kontinuierliches
Nahrungsangebot für Vögel. In einigen Weinbergen sind an südexponierten
"Endstickeln" (Endpfosten der Weinbergspfähle) Nisthölzer
für Wildbienen angebracht. Insgesamt 60 selbstgebaute Vogelniströhren
hängen in den Weinbergen. In den bewusst nicht gemulchten Rebrandstreifen
entwickeln sich Pflanzengesellschaften mit mehrjährigen Arten.
Beobachtungen über die Nistkastenkamera während dem Weinkauf
Am First des Kelterhauses ist ein Turmfalkenkasten installiert. Eine Nistkastenkamera
macht es Besuchern möglich, live am Brutgeschäft der Turmfalken
teilzuhaben. Im Gastraum mit Wintergarten, in dem die Kunden den Wein verkosten
können, steht ein Fernseher, auf den die Livebilder übertragen werden.
Die Kunden sind fasziniert und lassen sich zudem gerne von Ludwig Seiler in
eine Welt im Verborgenen mitnehmen, wenn er die Entwicklungszyklen von Insekten
oder die Lebensraumzusammenhänge der Landschaft der Pfälzer Weinstraße
und des Pfälzerwaldes erklärt. Kinder- und Jugendgruppen von Naturschutzverbänden
sind ebenso begeisterte Gäste bei Ludwig Seiler wie Erwachsene auf naturkundlichen
Führungen durch die Weinberge.