Laudatio Bioland-Weingut Seiler

Preisträger des Förderpreis Naturschutzhöfe 2006

Angaben zum Betrieb

Bioland-Weingut Seiler
Ludwig Seiler

Modenbachstr. 3
76835 Weyher, Rheinland-Pfalz
Tel: 06323-4219
Fax: 06323-981073
www.weingut-seiler.de
  • 7,6 Hektar
  • 7,2 ha Weinbau, 0,2 ha Grünland, 0,2 ha Hof und Garten
  • 2 Esel, 10 Hühner (Eigenbedarf)
  • Familienbetrieb
  • Schwerpunkt: ökologischer Weinbau, Direktvermarktung, Tourismus
  • Besonderheiten: außerordentliches Vorkommen von Weinbergsflora- und Fauna, autodidaktischer Naturschutz-Experte, enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Kooperation mit Naturschutzgruppen, naturkundliche Weinbergsführungen

Betriebsportrait

Kindheit zwischen Wald und Reben
Das Weingut Seiler liegt in traumhafter Lage an der Pfälzer Weinstraße. Wenige Schritte entfernt beginnt der Pfälzerwald, das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands, und in den Vorhügeln zwischen Wald und Rheinebene gedeihen die Reben.

Kontrollgang an Vogelniströhren
Kontrollgang an Vogelniströhren
 
Esel - Ludwig Seilers Begleiter
Esel - Ludwig Seilers Begleiter
 

1990 hat Ludwig Seiler den elterlichen Betrieb (ca. acht Hektar) übernommen und auf ökologischen Weinbau umgestellt. Seit seiner Kindheit begeistert er sich für die Natur - seine Kenntnisse über Wildinsekten, Vögel und Pflanzen sind überragend.

Schonende Bodenbearbeitung und intensive Laubarbeit
Ludwig Seiler entwickelt die ökologische Anbauweise auf seinem Betrieb weiter. Als Grundprinzipien verfolgt er eine extensive Bodenbearbeitung und eine intensive Laubarbeit. Sein Bewirtschaftungssystem hat das Ziel, die Rebe optimal mit Nährstoffen und Wasser zu versorgen und gleichzeitig die Artenvielfalt zu fördern. Über die Einsaat einer vielfältigen Kräutermischung erreicht er, dass die Weinbergsböden nachhaltig mit Humus versorgt werden.

Alternierende Bewirtschaftung der Rebzeilen
Alternierende Bewirtschaftung der Rebzeilen
 
Schopfige Traubenhyazinthe, alte Weinbegspflanze, heute selten
Schopfige Traubenhyazinthe, alte Weinbegspflanze, heute selten
 

Die Förderung der tief grabenden Regenwürmer ist dem Winzer ein großes Anliegen. Durch die Einsaat einer artenreichen Winterbegrünung steht im Herbst und Frühjahr ausreichend welkes Pflanzenmaterial zur Ernährung der Regenwürmer bereit.

Nach dem Herbst wird jede zweite Gasse mit einer selbst zusammengestellten Mischung eingesät. Die verbleibende Gasse wird je nach Witterung im Frühjahr umgebrochen. Der Umbruchszeitpunkt richtet sich nach den Wasserverhältnissen im Boden und auch danach, ob wertvolle Arten der Weinbergsflora schon Samen gebildet haben. So bergen die Weinberge ein großes Samenreservoir und eine hohe Artenzahl der gefährdeten Weinbergsflora: Wiesen-Gelbstern, Runder Lauch, Dolden-Milchstern, Schopfige Traubenhyazinthe, Ranken-Platterbse, Kornrade, Wendich und viele mehr sind zwischen den Rebzeilen anzutreffen.
In den Weinbergen von Ludwig Seiler wird möglichst selten gemulcht, da zu häufiges Mulchen die Gräser fördert und die empfindlichen Kräuter zurückdrängt. Bei Bedarf wird dann alternierend gemulcht, das heißt nur jede zweite Rebzeile.

Bei Wasserknappheit wird eine flache Bodenlockerung mit der Kreiselegge vorgezogen. Nach den nächsten Regenfällen begrünt sich der Boden dann sehr schnell wieder. Diese Wirtschaftsweise fördert besonders die einjährigen Herbst- und Sommerarten und die Zwiebelgewächse. In Jahren mit ausreichenden Frühjahrsniederschlägen dient der natürliche Aufwuchs als Begrünung.

Rebgasse mit viel Klatschmohn
Rebgasse mit viel Klatschmohn
 
Kornrade, Rote-Liste-Art
Kornrade, Rote-Liste-Art
 

Der Unterstockbereich wird mechanisch mit der Scheibe offen gehalten. Wenn es die Witterung erlaubt, wird der erste Arbeitsgang erst im Mai/Juni durchgeführt. Dann haben die meisten einjährigen Arten der Weinbergsflora schon Samen gebildet. Einige konkurrenzschwache Stauden werden durch das Ausheben der Scheibe an den betreffenden Standorten geschont. Dadurch halten sich auch mehrjährige Arten in seinem Weinberg.

Inzwischen wachsen rund 300 verschiedene Gräser- und Kräuterarten zwischen den Reben. Diese bunte Vielfalt wirkt sich auch positiv auf die Weinbergsfauna aus. Unzählige nützliche Insektenarten leben in den Weinbergen und stabilisieren das Ökosystem. Als Raritäten entdeckte Ludwig Seiler zum Beispiel den Hellbindigen Holz-Buntkäfer, den Schafgarben Schmalbock oder sogar ein Eikokon einer Gottesanbeterin an einem Rebstock.

Weinbergsschnecke
Weinbergsschnecke
 
Naturkundliche Weinbergsführung
Naturkundliche Weinbergsführung
 

Öko-Nischen im Weinberg sind einfach einzurichten
Zudem hat Ludwig Seiler viele einfache Möglichkeiten entwickelt, Öko-Nischen im Weinberg und rund um den Hof einzurichten: Die Trockenmauern wurden in den laufenden Jahren mehrfach verlängert und aufgestockt. Das Entwicklungsziel ist hier die Förderung der Mauereidechse. Die Mauereidechse stellt eine Schlüsselart für alle wärmeliebenden Trockenmauerbewohner dar. Bei der Anlage einer Wildstrauchhecke wurden 32 verschiedene Arten einheimischer Wildsträucher ausgewählt, so dass möglichst immer ein Blütenangebot für Insekten vorhanden ist. Da auch die Beeren der Wildsträucher zu unterschiedlichen Zeiten reifen, gibt es im Herbst ein kontinuierliches Nahrungsangebot für Vögel. In einigen Weinbergen sind an südexponierten "Endstickeln" (Endpfosten der Weinbergspfähle) Nisthölzer für Wildbienen angebracht. Insgesamt 60 selbstgebaute Vogelniströhren hängen in den Weinbergen. In den bewusst nicht gemulchten Rebrandstreifen entwickeln sich Pflanzengesellschaften mit mehrjährigen Arten.

Beobachtungen über die Nistkastenkamera während dem Weinkauf
Am First des Kelterhauses ist ein Turmfalkenkasten installiert. Eine Nistkastenkamera macht es Besuchern möglich, live am Brutgeschäft der Turmfalken teilzuhaben. Im Gastraum mit Wintergarten, in dem die Kunden den Wein verkosten können, steht ein Fernseher, auf den die Livebilder übertragen werden. Die Kunden sind fasziniert und lassen sich zudem gerne von Ludwig Seiler in eine Welt im Verborgenen mitnehmen, wenn er die Entwicklungszyklen von Insekten oder die Lebensraumzusammenhänge der Landschaft der Pfälzer Weinstraße und des Pfälzerwaldes erklärt. Kinder- und Jugendgruppen von Naturschutzverbänden sind ebenso begeisterte Gäste bei Ludwig Seiler wie Erwachsene auf naturkundlichen Führungen durch die Weinberge.

 
 
 
Kontrollgang an Vogelniströhren
 
 
Esel - Ludwig Seilers Begleiter
 
 
Alternierende Bewirtschaftung der Rebzeilen
 
 
Schopfige Traubenhyazinthe, alte Weinbegspflanze, heute selten
 
 
Rebgasse mit viel Klatschmohn
 
 
Kornrade, Rote-Liste-Art
 
 
Weinbergsschnecke
 
 
Naturkundliche Weinbergsführung