| Müller-Hof Helmut Müller Markelfingerstr. 12 78476 Allensbach/Kaltbrunn, Baden-Württemberg |
Tel: 07533-5729 Fax: 07533-7220 www.biohof-mueller.de |
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Immer auf der Suche nach Nachhaltigkeit
Ganz im Süden von Deutschland am Bodensee liegt der Bodanrück,
eine faszinierende Hügelkette, die den See in Ober- und Untersee teilt.
Prägend ist der Wechsel von Natur- und Kulturlandschaft, von Wald, Seen
und Ried (süddeutsch für Niedermoor) sowie Obstwiesen, Grünland
und Ackerbau. In dieser schwungvoll modellierten Landschaft mit ihren reizvollen
Ausblicken liegt der Müller-Hof. "Wenn man die Blätter und
Vögel singen hört, dann weiß man, dass man nicht viel braucht,
um zufrieden zu sein", so die Aussage von Landwirt Helmut. Der Landwirt
ist ein wissbegieriger, geselliger Mensch, ständig auf der Suche nach
neuen Ideen und Weiterent-wicklung.


Auf seinem Hof herrschen Dynamik und Vielfalt. Kühe, Schweine und Pferde,
Direktvermarktung, Biogas und Ferienwohnungen werden auf dem Müller-Hof
gemanagt. Seit 1981 wirtschaften Helmut und Ruth Müller biologisch. Ausschlag
hierfür war die Geburt von Michael, das dritte von fünf Kindern
kam behindert zur Welt, so dass die bisherige konventionelle Bewirtschaftungsweise
mit Kunstdünger und Pestiziden infrage gestellt wurde. Pestizide könnten
die Behinderung verursacht haben, schlussfolgerten zwei Unikliniken. Mit viel
Mut entschied sich das Paar trotz anfänglicher Resignation, weiterzumachen,
aber nicht wie bisher sondern als Öko-Landwirte und Erzeuger gesunder
Lebensmittel nach nachhaltigen Lösungen für die Gesellschaft zu
suchen. Nach zehnjähriger "Erprobungs- und Umstellungsphase"
hatte Helmut Müller seinen Platz als Bio-Bauer gefunden. Seit 1992 hat
er einen Demeter-Betrieb.
Die Nachhaltigkeit wird auf dem Müller-Hof auch im Bereich erneuerbarer
Energie praktiziert: Vor einigen Jahren wurde eine Biogasanlage gebaut, die
mit der Gülle aus dem Laufhof und Futterresten gefüttert wird. Sie
versorgt den Hof mit Wärme und Energie, das Stalldach ist mit Photovoltaikmodulen
bestückt. Die Schlepper tanken Rapsöl. Weitere Pläne im Bereich
der regenerativen Energie liegen bereits in der Schublade: Das reichlich anfallende
Grüngut (Schilf) möchte Helmut Müller ebenfalls energetisch
nutzen, um den 800-Seelen-Ort zu versorgen. Da-her wurde mittlerweile die
Initiative Elabo (Energie und Landschaftspflege Bodensee) gegrün-det,
eine Machbarkeitsstudie liegt bereits vor. Die Schilffeuerungsanlage mit einer
Leistung von 500 kW soll etwa 245.000 Liter Heizöl im Jahr einsparen.
Die Bürger als Nutzer erwerben Anteile, um in ein entsprechendes Nahwärmenetz
zu investieren. Das Modellprojekt steht für regionale Biomasse, regionale
Wertschöpfung und regionale Energiesicherung und sichert die Landschaftspflege
auf Dauer.
Das nachhaltige Engagement für die heimatliche Landschaft bewältigt
der Müller-Hof zusammen mit drei Gesellen, zwei Lehrlingen und einem
Praktikanten, die zum Teil mit Familie auf dem Hof wohnen.
Feuchtgrünland und Ackerbau - eine gute Kombination mit langer Tradition
Seit 30 Jahren bewirtschaftet Familie Müller die Feuchtwiesen, Streuwiesen
und Schilfzonen des Naturschutzgebietes (NSG) Mindelsee. Das Gebiet ist von
besonderer naturschutzfachlicher Bedeutung: Knabenkräuter, Händelwurzarten,
Sibirische Schwertlilie und Schachblume sind nur einige Beispiele für
die seltenen Pflanzenarten, die dort vorkommen. Eine Liste der Brutvögel
erstreckt sich über drei Seiten. Die Zusammenarbeit des Hofes mit der
Naturschutzstation Möggingen geht Hand in Hand. Gemeinsam wurde eine
rationelle Pflege und sinnvolle Arbeits-teilung entwickelt. Der Müller-Hof
übernimmt die Maschinenarbeit und verwertet den Aufwuchs, die Mitarbeiter
der Naturschutzstation sind für die Handarbeiten, das Monitorring und
Pflege-management zuständig. Bei Arbeitseinsätzen, die das Handanlegen
vieler Menschen bedürfen, sind die Zivildienstleistenden der Naturschutzstation
und die Lehrlinge des Hofes gemeinsam im NSG anzutreffen. Das Mähgut
wird hauptsächlich als Kompost für den Acker eingesetzt oder je
nach Qualität als Einstreu für die Tiere oder als Substrat für
die Biogasanlage genutzt. Diese Verwendung ist historischen Ursprungs, denn
das nahegelegene Gemüseanbaugebiet, die Halbinsel Reichenau, profitierte
früher bereits vom Nährstoffübertrag aus dem Ried. Energiege-winnung
durch Schilfverbrennung für die gesamte Gemeinde ist eine weitere Idee,
in der Helmut Müller vorankommen möchte.
Die 170 Hektar des eigenen Betriebes, zu zwei Drittel Grünland, liegen
an der Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Naturschutz, verteilt auf
mehr als 100 Schläge. Auf den Feldern wächst bei Helmut Müller
vor allem Getreide in vielfältiger Art, wie Gerste, Hafer und Erbsen
für Futter, Weizen, Roggen, Dinkel, Emmer und Einkorn für Brot.
Auch Hartweizen und Nacktgerste bzw. -hafer baut er an. Vermarktet wird an
zwei Demeter-Bäcker, deren Brote es auch im Hofladen gibt. Viel Dinkel
wird über das nahe gelegene Hildegard-Zentrum vertrieben, das die Heilansätze
der Hildegard von Bingen in Kuren und Seminaren verbreitet. Saatgut wird selten
zugekauft, lieber vermehrt der Hof selbst und zieht seine Hofsorten. Damit
das Saatgut rein bleibt, nutzt Müller nur eine Sorte je Frucht und lässt
es nach der Getreidereinigung über einen Gewichtsausleser laufen, so
dass nur große, gesunde Körner gesät werden. Zur Reduzierung
der anhaftenden Pilzsporen wird das Saatgetreide zudem poliert. Die älteste
Sorte auf dem Hof ist Dinkel (´Oberkulmer Rotkorn`). Kleegras steht
auf 20 - 26 Prozent der Fläche. Kartoffeln werden nur in kleinem Umfang
gelegt. Auch bei Mais (nach Kleegras) züchtet der Landwirt auf Basis
kroatischer Sorten, die ein Mitarbeiter aus seiner Heimat mitgebracht hatte.
Mit den Erträ-gen ist Müller sehr zufrieden, mit den Jahren hätten
sich die Äcker verändert und auch dank des Einsatzes von Gülle
und Kompost ein großes Potenzial entwickelt.


Der Landwirt ist auch gefragt, wenn in der kleinparzellierten Flur etwas brach fällt: die Pflege der Kulturlandschaft in der touristischen Region ist wichtig. Wo es geht, achtet Helmut Müller auch hier auf extensive bzw. naturschützerische Aspekte. Um Flecken von Wiesenknopf mäht er beispielsweise herum, denn der ist Wirtspflanze für eine geschützte Bläulings-Art. Auch eine Ameisen schonende Mähtechnik ohne Kreiselmäher hilft dem Schmetterling, denn der muss sich im Ameisenbau verpuppen. Lernen von den Naturschützern - das Hinschauen auf die Naturzu-sammenhänge erfüllt den Landwirt: "Ich muss immer verstehen, was ich tue". Dieses Wissen nutzt er z. B. mit dem Ampfenkäfer. Dessen Larven dürfen sich auf einem Schlag mit reichlich Ampfer vermehren. So kann er sie auf andere Flächen exportieren, um den Ampfer in Schach zu halten.
Sinn für Landschaftsstrukturen und -genüsse
Der Müller-Hof demonstriert, dass reizvolle Kulturlandschaft und
Gaumenfreuden eng miteinander verknüpft sind. Helmut Müller erzählt
von Zusammenhängen zwischen Landschaftselementen und Nützlingen,
zwischen Kompost und Bodenlebewesen und im gleichen Atemzug berichtet er von
Backerfolgen bei Biskuitteig aus Einkorn-Mehl oder vom besonderen Geschmack
von Rindersalami nach italienischem Rezept. Beim Streifzug durch die Landschaft
zeigt Helmut Mül-ler blühende Wiesen, Felder mit Einkorn in sanftem
Grün und erhabene Landschaftsausblicke über den Mindelsee und die
Riedflächen. Während sich Helmut Müller beim Anblick seiner
Pflegewiesen freut, schimpft er über die sich ausbreitende Goldrute und
erzählt von seinen Eindrücken und den stillen Momenten, die die
Naturschutzaufgabe für ihn bereithält: Eintauchen in das Farbenspiel
der großen Trockenwiese, nur der Himmel und die Blüten um sich.
Der Storch ist sofort da, wenn er nur das Mähwerk hört, um Mäuse
und Frösche zu picken.
Genauso aber freut es den Landwirt, wenn er in der winterlichen Abgeschiedenheit
des zugefrorenen Mindelsees Zeit hat, zu sich zu kommen.
Der Müller-Hof ist aber auch noch eine produzierende Landwirtschaft mit
65 Milchkühen, 30 Schweinen und 150 Legehennen. Im hofeigenen Laden werden
Getreide, Wurst, Fleisch, Käse, Apfelessig und Kartoffeln vom Hof, aber
auch ein übliches Bioladensortiment von Molkereiprodukten bis Gemüse
verkauft. Die Milch der schwarzbunten Herde geht zum Teil an die Molkerei
"Bergpracht", zum Teil wird sie von einer mobilen Käserei direkt
auf dem Müller-Hof verarbeitet. Die Tiere werden in der hofeigenen Metzgerei
geschlachtet. Müllers Herde ist bodenständig, vom Vater übernommen.
Er nutzt Bullen aus eigener Nachzucht und kauft nur zur Vermeidung von Inzucht
mal einen Stier dazu. Dem Futter von Wiesen und Äckern wird teilwei-se
selbstgemachter Apfelessig von den zwei Hektar Streuobstwiesen rund um den
Hof zuge-setzt. "Das senkt den Zellgehalt in der Milch", weiß
Helmut Müller, dessen Kühe immerhin ein Durchschnittsalter bis zu
acht Jahren vorweisen. Einwohner, Gäste und auch durchradelnde Touristen
nutzen den Milchautomaten, an dem durchgehend von sieben bis 22 Uhr frische
Milch gezapft werden kann.


Lernort Bauernhof
Weitere Schwerpunkte sind auf dem Müller-Hof die Öffentlichkeitsarbeit
und der Tourismus. Angeboten werden Übernachtungen im Heuhotel oder in
der Ferienwohnung. Neuerdings gibt es für Gäste mit Pferden die
Möglichkeit von Einstellboxen. Ein großer Tätigkeitsbereich
von Landwirtin Ruth Müller ist der "Lernort Bauernhof". Rund
60 Schulklassen kommen jährlich auf den Hof und lernen die verschieden
Bereiche der Landwirtschaft kennen, wie z. B. Themen über Tiere, Milch,
Kulturpflanzenvielfalt, Landschaftspflege, Streuobst und viele Angebote mehr.
Als nächstes steht die Planung und Umsetzung eines Seminarraumes auf
dem Hof an.
Das vielfältige Engagement des Hofes ist beeindruckend. Trotzdem vergisst
es Helmut Müller nicht und empfiehlt es auch Besuchern weiter, sich immer
wieder auf die Bank am Waldrand zu setzen, zur Ruhe zu kommen, den Blick über
den Hof und das Tal schweifen zu lassen und einfach nur den Tönen in
der Landschaft zu lauschen.
Hofkultur
Überregional bekannt ist das Hoffest auf dem Müller-Hof, das
in einem Turnus von zwei Jahren stattfindet, und kulinarische mit kulturellen
Genüssen verbindet. Seit mehreren Jahren finden die, gemeinsam von Modellprojekt
Konstanz GmbH, Bodensee-Stiftung und dem Kultur- und Verkehrsbüro Allensbach
organisierten "Hofkulturtage" auf dem Müller-Hof statt. Heuhotel
und Kinderprogramm, Jazzfrühstück und Kunst im Stall erhöhen
die Attraktivität nicht nur des Hofes sondern des ganzen des ländlichen
Raumes und sensibilisieren neue Zielgruppen für landwirt-schaftliche
Themen. Die Hofkulturtage erfahren jedes Mal einen enormen Besucherandrang
und werden auch in Zukunft fortgeführt.


Zusammenfassung
Der Müller-Hof in Kaltbrunn ist seit vier Generationen ein Familienbetrieb
und in den Bereichen Tiere, Getreideanbau, Landschaftspflege, Tourismus und
Energie aktiv. Die in jüngster Zeit bedeutsamste Veränderung geschah
1981 durch die Umstellung auf ökologische und biodynamische Landwirtschaft.
Diese Entscheidung hat den Müller-Hof in den letzten 26 Jahren grundlegend
verändert. Heute ist der Hof ein Betrieb mit sechs Tätigkeitsfeldern,
die alle einem Ziel dienen: Ein ganzheitlicher Umgang mit Landschaft und Tieren.
Für seinen behutsamen Umgang mit Natur und Landschaft als Ergänzung
einer nachhaltigen ökologischen Bewirtschaftung wurde der Demeter-Betrieb
Müller im Rahmen der Verleihung des "Förderpreises Naturschutzhöfe"
im Bundesamt für Naturschutz in Bonn ausgezeichnet.