| Bioland-Hof Mammel Familie Mammel Am Hochberg 27 89584 Lauterach, Baden-Württemberg |
Tel: 07375-1246 Fax: 07375-922659 www.alb-leisa.de |
|
Zitat aus der Bewerbung für den Förderpreis Naturschutzhöfe
2006:
"Die Artenvielfalt erhalten und steigern - und das ist ja auch ein Naturschutzziel
- beinhaltet für mich ganz produktionsorientierte und ertragssteigernde
Vorteile, wobei ich nicht verheimlichen möchte, dass die Beobachtung
von Pflanzen und Tieren mir unheimlich viel Freude und Spaß bereitet."


Der 25 Hektar große Gemischtbetrieb der Familie Mammel liegt am Südrand der Schwäbischen Alb im landschaftlich reizvollen Großen Lautertal. Zum Hof gehören 11 Hektar Ackerland, 14 Hektar Grünland, 1,4 Hektar Streuobst und 0,6 Hektar Wald sowie sieben Mutterkühe und Nachzucht der gefährdeten Rasse Hinterwälder und vier Arbeitspferde. Seit 1975 betreibt Familie Mammel biologische Landwirtschaft und erprobt und verfeinert die Möglichkeiten, eine umweltgerechte Landwirtschaft zu betreiben und hochwertige Lebensmittel zu erzeugen.
Gemüse, Kräuter, Speisekartoffeln, Getreide, Obst, Apfelsaft, Linsen, reine Rinderwurst, Kalb- und Rindfleisch - die Produkte werden im eigenen Hofladen, auf dem Munderkinger Wochenmarkt, im gemeinschaftlichen Bioland "Bauralädle" in Ehingen und anderen Naturkostgeschäften oder über die Öko-Erzeugergemeinschaft "Alb-Leisa" (schwäbisch für Alb-Linsen) verkauft.


Besonderheit auf dem Bioland-Hof Mammel ist, dass bei zahlreichen Feldarbeiten Zugpferde eingesetzt werden. Als Mitglied im Arbeitskreis Landwirtschaft der Interessengemeinschaft Zugpferd (IGZ) ist es den Betriebsleitern wichtig, Pferdeeinsatz als schonende und wirtschaftliche Alternative aufzuzeigen.
Im Umgang mit der Natur das richtige Maß von Kultur- und Wildpflanzen
finden
Woldemar Mammel kann unzählige Geschichten erzählen: von seinem
Leben, der Landwirtschaft und von seinen Erfahrungen und Einsichten, die er
mit der Zeit gewonnen hat. Denn der schwäbische Landwirt war ehemals
Biologielehrer, bevor er und seine Frau sich dazu entschlossen, einen Bio-Hof
in Lauterach aufzubauen. Eine seinen Anekdoten ist die über sein Verhältnis
zum Unkraut, das sich im Laufe der Jahre geändert hat: "Das größte
Kompliment für einen Bio-Bauern damals war: Dein Feld sieht aus wie gespritzt,"
erzählt Woldemar Mammel. Heute sieht er das nicht mehr so. Er versteht
es, im Umgang und in der Arbeit mit der Natur das richtige Verhältnis
zu finden zwischen Kultur- und Wildpflanzen. Er kennt die Standorte der seltenen
Arten auf seinen Viehweiden und beobachtet die Entwicklung der Bestände.
Diese ausgewogene Mischung aus Kultur und Natur findet man nicht nur auf den
Äckern, im Feldgemüse und im artenreichen Grünland, sondern
auch auf dem gesamten Hofgelände und in dem wunderschönen Mischkulturgarten.
Die Gebäudeanordnung der Holzhäuser spiegelt den einfühlsamen
Umgang mit der Landschaft wider: "Die Gebäude haben wir zwischen
den alten Obstbaumbestand gebaut, das sind geschmackvolle, alte Sorten".
Mit Details in der Bewirtschaftung Kleinstrukturen schaffen
So vielfältig und kleinstrukturiert wie die Landschaft, so zahlreich
sind die Maßnahmen in der Bewirtschaftung, um diese Vielfalt zu erhalten
und zu fördern: Zum Beispiel werden bei der Getreideernte Kleegrasstreifen
als Unterschlupf für Wachteln stehen gelassen. Der Aufwuchs von Klee-Untersaat
wird bis zum November von den Kühen abgeweidet, so kommen Ackerwildkräuter,
wie z. B. Acker-Rittersporn zum Aussamen. Jeden Winter werden Hecken-Abschnitte
und Waldränder auf den Stock gesetzt und verjüngt. Das Holz wird
zum Heizen verwendet, die dünnen Äste werden verhäckselt mit
dem Miststreuer als Dünger auf dem Acker ausgebracht. Luzerne wird als
Gründüngung so untergepflügt, dass sie im darauffolgenden Getreide
wieder zum Teil durchwächst und Blütenangebot für Insekten
schafft.


Lebenszusammenhänge in einem Linsen-Acker
Gemeinsam mit dem Sohn Max wurde vor ein paar Jahren die Öko-Erzeugergemeinschaft
"Alb-Leisa" aufgebaut. Etwa zehn Betriebe in der Region bauen wieder
Linsen an, eine traditionelle Frucht, die jedoch in den letzten 50 Jahren
auf der Schwäbischen Alb nicht mehr kultiviert wurde. Die Trocknung,
Reinigung und Vermarktung läuft über den Mammel'schen Hof und die
Nachfrage übersteigt die Produktionsmöglichkeiten. Auch der Naturschutz
profitiert vom Linsenanbau. Der Mischfruchtanbau mit Hafer oder Gerste als
Stützfrucht zieht Insekten an und fördert die Gesundheit der Bestände.
Linsen sind schlechte Unkrautunterdrücker, auf distel- und queckenreichen
Schlägen ist der Anbau kaum wirtschaftlich, aber die anderen Ackerwildkräuter
schaden wenig und die Pflanzen können sich in den lichten Beständen
gut nebeneinander entwickeln. Durch die lockere Verteilung der Stützgetreidepflanzen
können Feldlerchen und Wachteln gut auf diesen Schlägen landen und
brüten. Als Leguminose bindet die Linse zudem Luftstickstoff und sorgt
so für die eigene N-Düngung.
"Betriebe mit Zugpferdeeinsatz - es werden immer mehr"
Linsenanbau, Feldgemüseanbau und die Arbeit mit Zugpferden betreibt und
entwickelt der Sohn Max (Landwirtschaftsmeister) am liebsten. Seit 1992 setzt
der Betrieb Zugpferde ein. "Wir sind einer der wenigen Vollerwerbshöfe
in Deutschland, die relativ viel mit Pferdezug experimentieren - aber, es
werden immer mehr", so Woldemar Mammel. Die Pferdearbeit wird hauptsächlich
von Max Mammel und seiner Frau Szilvia durchgeführt - auf dem Hof, als
Lohnunternehmen im Staatswald und in einer Baumschule. Die Effekte der Pferdearbeit
sind Einsparen fossiler Energien, weniger Bodenverdichtung als bei Traktoren
und weniger Schäden an stehenden Bäume beim Holzrücken im Wald.
Die Pferde werden dort eingesetzt, wo es sinnvoll ist und die Zeit es erlaubt:
Striegeln, Hacken, Häufeln, Mist streuen, schonendes Heuwenden, Arbeit
im Holz, weniger beim Pflügen. Die Geräte sind meist Bodengetrieben.
Wichtig für die Pferdearbeit ist, dass die Tiere im regelmäßigen
Einsatz sind. Für Landwirte, die gerne mit Tieren arbeiten, kann Pferdeeinsatz
eine wirtschaftliche Alternative bedeuten.


Durch diese Vielfalt der innovativen Ansätze in der Bewirtschaftung
und durch die sympathische Art, wie die Familienmitglieder ihre Kenntnisse
und Begeisterung weitergeben, wird Besuchern auf dem Hof Mammel bewusst, was
Sorgfalt im Umgang mit der Natur und der Landschaft bedeutet.