Laudatio Brockenbauer

Preisträger des Förderpreis Naturschutzhöfe 2006

Angaben zum Betrieb

Brockenbauer
Familie Thielecke

Schierker Weg 13
38875 Tanne, Sachsen-Ahnhalt
Tel: 039457-3312
Fax: 039457-98184
www.brockenbauer.de
  • 449 Hektar
  • 446 ha Grünland, 3 ha Acker
  • 226 Rinder (Mutterkuhhaltung), 4 Pferde, 6 Ziegen
  • Familienbetrieb, drei FÖJ- Stellen
  • Schwerpunkte: Rinder, Landschaftspflege, Direktvermarktung
  • Besonderheiten: Schau-Bauernhof, Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen

Familie Thielecke startet durch

In der malerischen Mittelgebirgslandschaft des Harzes, unweit des Brocken, bewirtschaftet Familie Thielecke seit 2001 einen Grünlandbetrieb mit Mutterkuhhaltung. Der Betrieb ist der "höchst gelegene Hof Sachsen-Anhalts", das kommt bereits im Hofnamen "Brockenbauer Thielecke" zum Ausdruck. Die Eheleute haben Agrarwissenschaft studiert, waren aber beide zunächst beruflich in einem anderen Sektor tätig. Nebenbei haben sie eine Tierhaltung begonnen und trafen 2001 die Entscheidung, einen Haupterwerbsbetrieb aufzubauen. Sie spezialisierten sich mit der vom Aussterben bedrohten regionalen Rinderrasse "Rotes Höhenvieh - Harzer Schlag" auf extensive Grünlandbewirtschaftung. Nun sind sie stetig daran, die Herde, Zucht und Direktvermarktung auf- und auszubauen. Mittlerweile bewirtschaftet der Betrieb rund 450 Hektar Grünland und die Herde ist auf 226 Tiere angewachsen.

Susan und Uwe Thielecke
Susan und Uwe Thielecke
 
Rotes Höhenvieh
Rotes Höhenvieh
 

Harzer Bergwiesen - Lebensraum für Pflanzen und Tiere - Erholungsraum für den Menschen

Die Landschaftspflege im Bereich der Bergwiesen durch Mahd und durch Beweidung ist der Betriebsschwerpunkt des Brockenbauer. Die Nutzung und Pflege der Wiesen im Harz ist nicht nur für die Erhaltung der biologischen Vielfalt von erheblicher Bedeutung, sondern stellt einen grundlegenden Pfeiler für die Bewahrung der historischen Kulturlandschaft des Harzes dar. Die einheimische Bevölkerung wie auch die Urlaubsgäste schätzen den Wechsel von Wald und Offenland und die Pracht der blühenden Bergwiesen des Mittelgebirges.

Das Naturschutzgebiet Bodetal ist ein Bachtal im Oberharz. Der Flusslauf mäandriert durch blühende Wiesen und ist gesäumt von Erlen. Mitverantwortlich für die Bewirtschaftung ist hier der Brockenbauer. 250 bis 300 Arten von Farn- und Blütenpflanzen, davon viele seltene und gefährdete Arten, wachsen in diesem Tal, z. B. Trollblume, Sibirische Schwertlilie oder Kugelige Teufelskralle. Daraus resultierend gibt es einen großen Reichtum an Insekten. Die hohe Anzahl an Schmetterlingen springen sofort ins Auge. Experten treffen hier auf Seltenheiten, wie z. B. Dukatenfalter, Schwalbenschwanz oder Gestreifte Quelljungfer. Zahlreiche Amphibien, wie Bergmolch und Feuersalamander, finden optimale Lebensräume. Wasseramseln, Eisvögel, Gebirgsstelzen und Braunkehlchen brüten hier - eine Vielfalt, wie sie nur noch selten anzutreffen ist.

Storchschnabel
Storchschnabel
 
Wechsel von Offenland und Wald
Wechsel von Offenland und Wald
 

Wie trägt der Brockenbauer zum Erhalt und Förderung der Vielfalt bei?

Die schonende Bewirtschaftung der Flächen schafft den zahlreichen Pflanzen und Tieren einen geeigneten Lebensraum. Auf dem Betrieb werden Kleinstrukturen, wie Einzelbäume und Ruderalstellen, erhalten. Wertvolle Naturbereiche, wie breite Uferstreifen, Quellgebiete und Brutplätze für Vögel auf Kiesbänken, werden beim Stecken des Weidezaunes ausgespart. Im Feuchtgrünland werden keine Entwässerungsmaßnahmen durchgeführt.

In verschiedenen Bereichen sind auch sehr gezielte Maßnahmen nötig, um spezielle Arten zu schützen und zu fördern. Die Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Harz (LPV) spielt dabei eine bedeutende Rolle und geschieht auf dem Betrieb Thielecke sehr vorbildlich. Das Verhältnis ist partnerschaftlich. Der LPV führt Bestandsaufnahmen und Pflegekonzeptionen durch. Uwe Thielecke kann mit seiner Bewirtschaftung durch kleine Herdgrößen und mobile Zäune flexibel auf besondere Anforderungen reagieren. Besonders wertvolle Flächen werden z. B. erst sehr spät genutzt, damit seltene Arten, wie das Breitblättrige Knabenkraut oder Arnika, zum Aussamen gelangen können. Differenzierte Bewirtschaftung und regional typische Nutzungszeitpunkte und -häufigkeiten je nach Höhenlage, Nährstoff- und Wasserhaushalt einer Fläche spielen eine große Rolle, wenn man Vielfalt erhalten und fördern möchte.

Bachtal der
Bachtal der "Warmen Bode"
 
Insekt an Blüte
Insekt an Blüte
 

Die Arbeitsteilung zwischen LPV und Landwirt funktioniert z. B. auch in der Weise, dass der LPV die Erstinstandsetzung von aufgelassenen, verbrachten Flächen mit besonderen Pflegemaschinen und viel Handarbeit durchführt. Betrieb Thielecke verwertet den Aufwuchs und übernimmt im Folgejahr die Bewirtschaftung der instandgesetzten Flächen. Auch den Mehraufwand für die Beweidung von abgelegenen, aber ökologisch wertvollen Waldwiesen nimmt Familie Thielecke auf sich. "Wir bewirtschaften ertragsreichere und -schwächere Flächen. Nicht jede Einzelfläche wird nach Aufwand und Nutzen bewertet. Wichtig ist, dass der Betrieb rund läuft", so Uwe Thielecke.

"Wir erklären den Besuchern die Zusammenhänge zwischen der Qualität unserer Produkte und der Kulturlandschaft"

Artenreiches Grünland
Artenreiches Grünland
 
Julia Thielecke und Moritz
Julia Thielecke und Moritz
 

Den Punkt Öffentlichkeitsarbeit schreibt Familie Thielecke ganz groß. Sie möchten das öffentliche Bewusstsein für die Landwirtschaft in Mittelgebirgen steigern und öffnen ihre "Stalltür" als Schau-Bauernhof. Besucher können das Rote Höhenvieh, die Harzziege, den Harzer Fuchs, Pferde, Kaninchen und Katzen erleben. Besonders beliebt sind Gruppenführungen mit anschließender Wurstverkostung. Das Ehepaar Tielecke erklärt - auch schon mal in traditioneller Tracht - die Zusammenhänge zwischen Kulturlandschaft, Tiergesundheit und Lebensmittelqualität.

Im Hofladen kann eine ausgewählte, sehr feine Palette an Wurstspezialitäten, wie z. B. Hirtenpeitschen oder Bauernsalami, erworben werden. Die Direktvermarktung wächst kontinuierlich. Sie läuft derzeit sehr gut über den Verkauf von Rinderhälften und Fleischpaketen für Privatkunden und Hotels.
Die beiden Töchter studieren Landwirtschaft und Betriebswirtschaft und möchten den Betrieb gerne übernehmen. Auf dem Familienbetrieb packen alle mit an. Über drei FÖJ-Stellen (Freiwilliges Ökologisches Jahr) haben junge Menschen beim Brockenbauer die Möglichkeit, die landwirtschaftliche Arbeit kennenzulernen. Der junge Betrieb steckt voller Dynamik, und die Familie Thielecke hat jede Menge Energie und Ideen, ihre Arbeit weiterzuentwickeln.

 
 
 
Susan und Uwe Thielecke
 
 
Rotes Höhenvieh
 
 
Storchschnabel
 
 
Wechsel von Offenland und Wald
 
 
Bachtal der
 
 
Insekt an Blüte
 
 
Artenreiches Grünland
 
 
Julia Thielecke und Moritz