Arche-Rhönschafhof

Auszeichnung im Rahmen des Förderpreises Naturschutzhöfe 2006

Angaben zum Betrieb

Arche-Rhönschafhof
Familie Pößel

Hauptstr. 39
99713 Schernberge, Thüringen
Tel:036020-72797
Fax: 036020-76877
  • 337 ha
  • 35 ha Ackerbau, 159 ha Grünland, 40 ha Streuobst, 103 ha Hutung, Ödland, Wege und Gräben
  • 1020 Schafe, 4 Mutterkühe, 5 Rinder, 14 Zuchtschweine, 12 Ziegen, 7 Pferde, 1 Esel, 50 Hühner, 18 Gänse, Enten und Puten, 50 Tauben
  • 4 AK
  • Schwerpunkt: Arche-Hof - Zucht gefährdeter Nutztierrassen, Landschaftspflege, Fleischvermarktung
  • Besonderheiten: Museum

Betriebsportrait

Herz und Profession für den Erhalt gefährdeter Nutztierrassen

Rhönschafe
Rhönschafe
 
Rhönschafe
Rhönschafe
 

Etwas außerhalb des Dorfs Schernberg, mitten in einer hügeligen, von Ackerbau geprägten Landschaft in Thüringen, liegt der Arche-Rhönschafhof der Familie Pößel. Vor 30 Jahren, zu landwirtschaftlich schwierigen Bedingungen in der DDR, wurde dort im Nebenerwerb mit der Zucht von Rhönschafen und Haflingern begonnen. Heute ist der stattliche Hof aus Platzgründen aus dem Dorf ausgesiedelt, beherbergt eine 1020-köpfige Rhönschafherde und zahlreiche weitere vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen: Rotes Höhenvieh, Thüringer Kaltblutpferde, Deutsches Sattelschwein, Erzgebirgsziegen, Altdeutsche Hütehunde, Thüringer Kaninchen, Cröllwitzer Puten, Pommernenten, und die Liste ist noch nicht vollständig. Durch intensive Recherche nach den verschiedenen Erblinien der Rassen und durch professionelle Zucht leistet der Betrieb als Arche-Hof einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt der agrarkulturellen genetischen Vielfalt.

"Bei uns kommen die Tiere zuerst, dann die Menschen", erklärt Herr Pößel seinen Besuchern. Das sieht man den Tieren an. Ehepaar Pößel, Tochter und Partner, weitere Familienmitglieder sowie der Schäfer versorgen die Tiere. Zur arbeitsintensiven Lammzeit bedeutet das Betreuung rund um die Uhr, denn als Herdbuchbetrieb darf bei der Zuordnung der Lämmer zu den Muttertieren kein Fehler unterlaufen.

Pflege  von Wegrändern
Pflege von Wegrändern
 
Pflege von Streuobstwiesen
Pflege von Streuobstwiesen
 

Die Schafherden arbeiten für acht Gemeinden

Mit der Wanderschafherde leistet der Betrieb einen bedeutenden Beitrag zur Landschaftspflege in acht Gemeinden. Großflächige Streuobstbestände, Bachtäler, Hänge mit Trockenrasen, Ausgleichsflächen, Wasserschutzgebiete sowie Wegraine, welche die Ackerflächen durchziehen, werden von der Schafherde beweidet und gepflegt. Durch tägliches Umkoppeln der kleineren Herden der Böcke und der Jährlinge werden auch viele kleine Flächen innerorts durch den Betrieb Pößel bewirtschaftet. Verschiedene wertvolle Flächen bieten zum Beispiel Grünspecht, Neuntöter und Wachtelkönig, Silberdistel und verschiedenen Orchideenarten Lebensraum.

Magerrasen
Magerrasen
 
Ausschnitt Magerrasen
Ausschnitt Magerrasen
 

Für den Schäfer bedeutet das, das richtige Maß der Beweidungsintensität für die unterschiedlichen Flächen zu finden und gleichzeitig auch die saisonal unterschiedlichen Futteransprüche der Muttertiere zu erfüllen. Zum Beispiel müssen Brennesseln und auftretende Verbuschung verbissen und in Zaum gehalten werden, gleichzeitig darf der Besatz der Tiere nicht zu hoch sein. Um auf Magerstandorten mit besonderem Vorkommen, von z. B. Orchideen, Nährstoffeintrag zu vermeiden, werden Nachtpferche nur an bestimmten Stellen gesetzt. Meistens wird der Nachtpferch jeden Tag neu gesetzt. Die Arbeit des Schäfers, der von Mai bis Oktober angestellt ist, wird dementsprechend an der Gesundheit der Tiere und am Zustand der Flächen gemessen.

Der Arche-Betrieb schafft Arbeitsplätze in einer ländlichen Region

Udo Pößel und Kuh der Rasse Rotes Höhenvieh
Udo Pößel und Kuh der Rasse Rotes Höhenvieh
 
Ferkel der Rasse Angler-Sattelschwein
Ferkel der Rasse Angler-Sattelschwein
 

Der Arche-Rhönschafhof steht beispielhaft für die Bedeutung der Hütehaltung in vielen Regionen. Es ist eine Dienstleistung, die Fachwissen, praktisches Können, Unternehmertum und Idealismus verlangt. Durch den Unternehmergeist des Betriebs setzt er Impulse in der Region. Der Schäfer findet eine Anstellung. Die Tochter macht derzeit ihre Meisterausbildung und möchte den Betrieb mit ihrem Partner übernehmen, im Gegensatz zu den "vielen jungen Menschen, die hier fortgezogen sind", so Udo Pößel. Neue Vermarktungsideen entstehen bereits in den Köpfen der Familie Pößel: Potenzial liegt im Ausbau der Direktvermarktung des Rhönschaffleisches, in der Vermarktung des Obstes der Streuobstbestände in Form von Saft oder im Aufbau von Bienenvölkern.

 
 
 
Rhönschafe
 
 
Rhönschafe
 
 
Pflege  von Wegrändern
 
 
Pflege von Streuobstwiesen
 
 
Magerrasen
 
 
Ausschnitt Magerrasen
 
 
Udo Pößel und Kuh der Rasse Rotes Höhenvieh
 
 
Ferkel der Rasse Angler-Sattelschwein