| Arche-Rhönschafhof Familie Pößel Hauptstr. 39 99713 Schernberge, Thüringen |
Tel:036020-72797 Fax: 036020-76877 |
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Herz und Profession für den Erhalt gefährdeter Nutztierrassen


Etwas außerhalb des Dorfs Schernberg, mitten in einer hügeligen, von Ackerbau geprägten Landschaft in Thüringen, liegt der Arche-Rhönschafhof der Familie Pößel. Vor 30 Jahren, zu landwirtschaftlich schwierigen Bedingungen in der DDR, wurde dort im Nebenerwerb mit der Zucht von Rhönschafen und Haflingern begonnen. Heute ist der stattliche Hof aus Platzgründen aus dem Dorf ausgesiedelt, beherbergt eine 1020-köpfige Rhönschafherde und zahlreiche weitere vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen: Rotes Höhenvieh, Thüringer Kaltblutpferde, Deutsches Sattelschwein, Erzgebirgsziegen, Altdeutsche Hütehunde, Thüringer Kaninchen, Cröllwitzer Puten, Pommernenten, und die Liste ist noch nicht vollständig. Durch intensive Recherche nach den verschiedenen Erblinien der Rassen und durch professionelle Zucht leistet der Betrieb als Arche-Hof einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt der agrarkulturellen genetischen Vielfalt.
"Bei uns kommen die Tiere zuerst, dann die Menschen", erklärt Herr Pößel seinen Besuchern. Das sieht man den Tieren an. Ehepaar Pößel, Tochter und Partner, weitere Familienmitglieder sowie der Schäfer versorgen die Tiere. Zur arbeitsintensiven Lammzeit bedeutet das Betreuung rund um die Uhr, denn als Herdbuchbetrieb darf bei der Zuordnung der Lämmer zu den Muttertieren kein Fehler unterlaufen.


Die Schafherden arbeiten für acht Gemeinden
Mit der Wanderschafherde leistet der Betrieb einen bedeutenden Beitrag zur Landschaftspflege in acht Gemeinden. Großflächige Streuobstbestände, Bachtäler, Hänge mit Trockenrasen, Ausgleichsflächen, Wasserschutzgebiete sowie Wegraine, welche die Ackerflächen durchziehen, werden von der Schafherde beweidet und gepflegt. Durch tägliches Umkoppeln der kleineren Herden der Böcke und der Jährlinge werden auch viele kleine Flächen innerorts durch den Betrieb Pößel bewirtschaftet. Verschiedene wertvolle Flächen bieten zum Beispiel Grünspecht, Neuntöter und Wachtelkönig, Silberdistel und verschiedenen Orchideenarten Lebensraum.


Für den Schäfer bedeutet das, das richtige Maß der Beweidungsintensität für die unterschiedlichen Flächen zu finden und gleichzeitig auch die saisonal unterschiedlichen Futteransprüche der Muttertiere zu erfüllen. Zum Beispiel müssen Brennesseln und auftretende Verbuschung verbissen und in Zaum gehalten werden, gleichzeitig darf der Besatz der Tiere nicht zu hoch sein. Um auf Magerstandorten mit besonderem Vorkommen, von z. B. Orchideen, Nährstoffeintrag zu vermeiden, werden Nachtpferche nur an bestimmten Stellen gesetzt. Meistens wird der Nachtpferch jeden Tag neu gesetzt. Die Arbeit des Schäfers, der von Mai bis Oktober angestellt ist, wird dementsprechend an der Gesundheit der Tiere und am Zustand der Flächen gemessen.
Der Arche-Betrieb schafft Arbeitsplätze in einer ländlichen Region


Der Arche-Rhönschafhof steht beispielhaft für die Bedeutung der
Hütehaltung in vielen Regionen. Es ist eine Dienstleistung, die Fachwissen,
praktisches Können, Unternehmertum und Idealismus verlangt. Durch den
Unternehmergeist des Betriebs setzt er Impulse in der Region. Der Schäfer
findet eine Anstellung. Die Tochter macht derzeit ihre Meisterausbildung und
möchte den Betrieb mit ihrem Partner übernehmen, im Gegensatz zu
den "vielen jungen Menschen, die hier fortgezogen sind", so Udo
Pößel. Neue Vermarktungsideen entstehen bereits in den Köpfen
der Familie Pößel: Potenzial liegt im Ausbau der Direktvermarktung
des Rhönschaffleisches, in der Vermarktung des Obstes der Streuobstbestände
in Form von Saft oder im Aufbau von Bienenvölkern.